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In the middle of nowhere

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Ruhe – zu wenig Zeit, zu viel zu tun, zu müde um sie zu suchen. Denn suchen muss man Ruhe in London wirklich.
Kein Fleckchen, dass so wirklich stillsteht, kein Ort an dem man abschalten kann (oder will).

In London dreht sich alles schnell, die Uhren ticken anders – man ist einfach keiner Ruhe ausgesetzt und ehrlich… wer will das auch schon wenn man in so einer aufregenden Stadt lebt, arbeitet, shoppt oder auch nur zu Besuch ist?

Ich. Manchmal wünschte ich mir, dass ich ab und an mehr Ruhe hätte. Denn mit der Ruhe käme Zeit und mit der Zeit auch manchmal sinnvollere Einfälle, die nicht „jetzt hier sofort #asap“ umgesetzt werden müssen, sondern sich erst einmal entwickeln können ehe sie schon längst Realität geworden sind.
Nicht, dass ich die Schnelllebigkeit schlecht heißen möchte. Im Gegenteil; fast jede Branche lebt davon. Und die Mode erst recht.
Ich hasse lahme Prozeduren, langsame Menschen und zeitlupenartige Reaktionen! Auch langwierige Wege, eintönige Eindrücke und fadisierende Unterhaltungen mit den selben Leuten.

Nur wird das ab und an mit dieser ASAP-Lebensweise eine stressige Sache und nicht zum ersten Mal denke ich mir, dass ich manchmal gerne einfach nur ein bisschen mehr von der Ruhe hätte. Für ein-zwei Tage; das wäre schon vollkommen ausreichend.
Keiner der mich um 9 Uhr morgens am Wochenende aus dem Bett klingelt, keine Twitter/Insta/Facebook alerts, keine Stresserei am frühen Morgen auf dem Weg ins Office wenn ich schon wieder viel zu lange irgendeine seichte Serie geschaut habe anstatt mich jetzt endlich mal zu entscheiden was ich anziehe bevor ich halb fertig schon mit dem einen Bein in der Tube (oder dank Zeitmangel im Cab..) stehe.

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Aber zum Glück gibt es da die gute alte Heimat für mich. Nicht ganz wortwörtlich meine Heimat aber doch der Ort an dem meine Oma daheim ist. Irgendwo in Oberösterreich wo die Welt noch in Ordnung ist, die Natur im Einklang mit sich selbst und der Handyempfang nur schwer für länger als 5 Sekunden zu fangen ist.

Und so sehr mich das anfangs immer mindestens so stresst wie ein signal failure auf der Central Line an einem frühen Montag Morgen, so sehr lerne ich es diesen einen der paar Rückzugsorte zu schätzen je länger ich dem hektischen Lebensstil meiner Wahlheimat mit voller Leidenschaft nachrenne.

Manchmal braucht man das einfach. Weg von allem und jedem und da hin wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen! Mit meiner Ushanka auf dem Kopf, einem dicken Mantel und ein Paar derben Bikerboots an, stapfe ich der Ruhe noch vollkommen mit Stress geladen entgegen – je weiter in den Wald hinein, desto besser. Ein bisschen spooky mag das klingen (trifft man doch hier immer bei einem mittelmäßigen Sonntags-Tatort die Leiche im nächsten Moor an), ja, aber an Tagen wie diesem ist es nur eines: Ruhig.

Ich bin kein Naturfreak, mir ist das Wetter meistens egal (eben – „keine Zeit für soetwas“), ich stehe auch nicht auf 5-Stunden Spaziergänge, die mich mit einer Nierentzündung wieder nach Hause treiben. Aber an einem klaren Tag an dem ich nichts auf meiner Agenda habe außer abends Schnitzel zu essen und in die Seitenblicke auf ORF reinzuschalten (und vielleicht doch kurz Empfang bekommen)… da nutze ich es aus rausgehen zu können ohne mich wegen irgendetwas zu stressen.

Für nichts und niemanden bin ich zu spät, es gibt einfach keine Dramen und das schicke Dinner am Abend in einem der Private Members Clubs findet ja gar nicht statt, denn nur das österreichische Schnitzel und die fettige Sosse warten mit der Preiselbeermarmelade auf mich und verlangen von mir weder ein großartiges Outfit, noch waghalsige Heels oder schön geföhnte Haare.

Und jedes Mal denke ich mir wie wichtig es ist etwas zu finden, das einem den nötigen Anteil an Ruhe bringt.

Manche meinen sie finden Ruhe beim Sport treiben, andere beim Shoppen, andere wiederum beim Musik hören alleine, Rauchen, Pinterest-en, an einem See, im Gebirge oder einer Insel weit weg. Und obwohl ich nichts gegen die Insel und ein Päckchen Marlboro hätte, ist mir so ein Wald im absoluten Nirgendwo ziemlich recht.

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Manchmal versteht man erst dann wie wenig man oft von sich und dem was um einen herum passiert wahrnimmt. Und man bekommt die Möglichkeit seine Gedanken zu ordnen, unnötige Streitereien ins richtige Licht zu stellen, Entscheidungen ohne anderen Einflüssen näherzutreten und einen viel klareren Kopf zu bekommen.

Auch wenn nach 30 Minuten bereits wieder innerlich die gewohnte Zeituhr mit der Frage „Was steht eigentlich jetzt/gleich/heute Abend/morgen an“ lauter zu ticken beginnt, so sehr denke ich, dass absolut jeder einen Weg finden sollte um mal ab und zu runterzukommen und wieder ein bisschen zurück in die Realität zu finden.

So fernab allen Dingen diese kleine Wald-Story hier doch erscheint, so sehr kann einem genau das dabei helfen alles mit nötigem Abstand wieder zu betrachten.

Denn spätestens nach zwei Tagen fange ich an die Sirenen, das bunte Treiben und impulsive Leben zu vermissen und die nächste Reservierung im neueröffneten Szene-Lokal Sohos zu tätigen… ohne dabei dem ganz normalen Wahnsinn direkt wieder zu verfallen. ;)

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Und passend zu den Enten, dann auch zum Abschluss noch das grüßende Duckface!

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About Author

Anna

With an Austrian and German background, Anna has lived in London for almost 7 years now. La-Pulcinella.com started as a personal fashion & lifestyle diary in 2009 and was re-launched in 2015 with a new design.


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